Der Proof ist viel dunkler als das Bild auf meinem Monitor. Warum?

Oft sind Kunden verunsichert, wenn Sie einen Proof in den Händen halten. „Der Proof des BIldes ist viel dunkler, als das Bild auf meinem Monitor aussieht. Warum ist das so? Und was tue ich jetzt?“

Für eine Abweichung zwischen Proof und z.B. der Monitordarstellung gibt es viele mögliche Gründe:

  • Der Monitor ist nicht kalibriert
    Nur kalibrierte Monitore können auch Farbe akkurat darstellen. Wenn ich einen billigen Monitor kaufe und an meinen Computer anschließe, kann ich definitiv keine reelle Farbe sehen. Als Faustregel gilt: Nur ein hardwarekalibrierter Monitor hat eine Chance auf korrekte Farbe.
  • Der Monitor ist zwar kalibriert, aber die Farben sehen dennoch anders aus
    Ein Monitor unter 1.000 Euro kann meistens nicht auf gute Farbdarstellung für den Standardfarbraum ISOCoated V2 kalibriert werden, weil er einen zu geringen Farbumfang hat. Nur echte Proof Monitore sind auch auf die Darstellung der proofbaren Farben ausgelegt und dafür geeignet.
  • Der Proof wird nicht unter D50 Normlicht betrachtet
    Gerade im Winter sind die Lichtbedingungen oft schlecht. Und Glühlampen, Energiesparlampen und konventionelle Neonröhren liefern nur eine sehr schlechte Farbdarstellung. Ohne D50 Lichtquelle kann ein Proof nicht beurteilt werden.
  • Die Farbeinstellungen in der Software sind falsch
    Oftmals wird die Bildbearbeitungssoftware wie Photoshop einfach ohne Anpassungen installiert und genutzt. Dabei entsprechen die gewählten Farbprofile oft nicht den Profilen, nach denen geprooft wird. Apfel-Shift-K bei Macintosh bzw. Steuerung-Shift-K bei Windows zeigen Ihnen Ihre Profileinstellungen in Photoshop an.

Generell kann kein Patenrezept für die korrekte Darstellung von Proofs zum Monitor gegeben werden. Ist aber ein Proof mit UGRA/Fogra Medienkeil CMYK V3.0  und Prüfprotokoll versehen ist die Chance hoch, daß er sehr präzise die geforderten Farben reproduziert. Entspricht Ihr Monitorbild nicht dem Proof, liegt der Fehler zumeist bei Ihnen. Die Ursachenliste oben kann Sie bei der Fehlersuche unterstützen.

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Papierweiss Simulation von PSOUncoated

Seit 2009 ist PSOUncoated das geltende Standard Profil für ungestrichenes Naturpapier. Dennoch haben Proof-Dienstleister oft das Problem, daß sich Proofs auf PSOUncoated auf den ersten Blick oftmals deutlich vom Druckergebnis unterscheiden. Sofort sichtbar: der Weisspunkt des Papieres.

Das PSOUncoated Papierweiss wirkt sehr gräulich. Wenn z.B. auf einem EFI 9120 XF Papier, das als Papier eigentlich eine neutrale weisse Färbung hat, PSOUncoated geprooft wird, dann muss das Papier vom Drucker in Sachen Papierweiss nachgefärbt werden. Durch diese Papierweiss Simulation wirkt der Proof „gräulich“ und und oftmals nicht wie das wirkliche Auflagenpapier „hochweiss“. „Das kann ich meinem Kunden nicht hinlegen“ hören Proof Dienstleister oft von den Agenturen und Designern, die Proofs in Auftrag geben. Und offen gesagt: Auch der Druck auf einem weissen Naturpapier wird vom PSOUncoated Proof Ergebnis je nach gewähltem Papier deutlich abweichen.

Manche Proof Dienste proofen daher auch heute noch Naturpapier nach ISOUncoated, da hier der Papierton deutlich weisser und nicht so gräulich ist. Das wird aber mittelfristig nicht über die Misere hinwegtragen: PSOUncoated ist der gängige Standard, nach dem sich auch die ProzessStandard Offsetdruck zertifizierten Druckereien richten. Aber im Drucksaal offenbaren sich oftmals die Unterschiede zwischen Norm und Realität. Wenn dann noch das neue D50 Normlicht nach ISO 3664:2009 mit höheren UV-Anteilen zur Begutachtung am Drucktisch zum Einsatz kommt, dann lassen sich oft Proof und Druckergebnis nur noch sehr schlecht aufeinander abstimmen. Und diese Problematik wird aufgrund der langen Normierungszeiträume auch noch eine ganze Zeit die Begleiterin von Druckereien und Proof-Dienstleistern sein.

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D50 ist nicht gleich D50: Normlicht und die ISO3664:2009

Seit 2009 stoßen Druckereien und Proofdienstleister vermehrt auf eine neue D50 Lichtnorm: Der ISO 3664:2009. In dieser Norm ist festgelegt, wie das neue D50 Normlicht aussieht, unter dem Proofs und Druckerzeugnisse aufeinander abgestimmt werden. Und eine Neuerung springt bei der Abmusterung direkt ins Auge: Im neuen Normlicht sind UV-Anteile enthalten, die die optischen Aufheller ansprechen, die in den Offset-Papieren häufig verwendet werden.

Das Ergebnis: Im Drucksaal liegt neben einem bläulich-weiss glimmenden Druckbogen ein gelblich-fahler Proof.

Woran liegt das? Die Norm kam recht überraschen und wurde innerhalb der Branche nur schlecht kommuniziert. Alle Proof-Dienstleister erhältlichen Proof-Substrate enthalten keine oder fast keine optischen Aufheller – das war ja auch bislang so gefordert. Und unter dem alten D50 Normlicht – das keine UV-Anteile enthielt- sahen ja auch Proof und Auflagendruck identisch aus, da die optischen Aufheller im Auflagendruck ja nicht angesprochen wurden. Bei allen neuen Druckmaschinen, die bereits mit Lichtröhren der neuen Norm ausgestattet sind, kann man jetzt Proof und Auflagendruck nicht mehr vergleichen: Das sieht völlig anders aus, allein die Unterschiede im Papierweiss schreien zum Himmel.

Druckereien und Proof Dienstleister sind eigentlich gezwungen, die alten Röhren gegen neue auszutauschen. Das ist jedoch oftmals ein komplexes Thema: Die alten Streuscheiben, die vor den Neonröhren montiert sind, hatten bislang überwiegend noch einmal eine UV-Filterung eingebaut, um ganz sicher zu stellen, daß kein UV-Anteil mehr durchkommt. Wenn also hinter den Streuscheiben neue ISO 2664:2009 Röhren mit UV-Anteil montiert werden, fehlt dummerweise genau dieser Anteil vor den Streuscheiben wieder … Auf die Druckereien kommen da also einige Mehrkosten zu.

Wir sind gespannt, wann auch die ersten Proofpapiere mit Aufhellern auf den Markt kommen, damit im Drucksaal Proof und Auflage wieder sauber miteinander verglichen werden können. Aber ob das dann aufgrund der unterschiedlichen UV-Klassen der Papiere noch möglich ist … das bleibt spannend.

Ein hervorragender Artikel zu dem Thema aus der Druck und Medien ist hier downloadbar.

Eine gute Diskussion zu dem Thema findet sich hier. 

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Normlicht und Metamerie-Effekt

Ein Proof ist immer nur so gut wie die Beleuchtung, unter der er betrachtet wird. Nur einfach ans Fenster zu gehen, oder bei Dämmerung das Licht anzuschalten bringt nichts: Am Fenster ist zwischen Dezember und Juli, zwischen 8 Uhr morgens und 8 Uhr abends, zwischen wolkig und sonnig ein riesiger Unterschied in der Beleuchtung, der jede Farbbeurteilung unmöglich macht. Und wer das Licht anschaltet, schaltet im Normalfall eine Birne mit 2700 Kelvin ein – oder noch schlimmer: eine Energiesparbirne, die irgendwie in irgendwelchen Spektren leuchtet … eine Katastrophe!

Im Druck liegen die Gründe für Metamerie-Effekte (kurz gesagt: daß zwei Farben zwar unter dem einen Licht identisch, aber unter einem anderen völlig unterschiedlich aussehen) insbesondere an den verschiedenen Drucktechnologien. Farben, die unter einer Glühbirne gleich aussehen, können unter einer Neonröhre plötzlich ganz unterschiedlich aussehen.

In den letzten Jahren haben sich Digitalproofs auf Tintenbasis im Proof Bereich durchgesetzt. Da mit Tinte gedruckt, muss speziell beschichtetes Papier verwendet werden, das dem späteren Auflagendruck in keiner Weise gleicht. Wer einmal versucht hat, auf glänzend gestrichenes Papier mit einem Tintenstrahldrucker zu drucken, der weiß:  die Tinte hält niemals! Daher ist immer Metamerie im Spiel, wenn ein Proof mit einem Offsetdruck verglichen werden soll.

Besonders wichtig dabei ist, unter welchem Licht Proof und Fortdruck betrachtet werden.

Die ISO 3664 regelt die normierte Beleuchtung, die für die Betrachtung von Proofs und Drucken wichtig ist. Dabei ist D50 nicht mehr D50: Die internationale Beleuchtungskommission CIE überarbeitete in den letzten Jahren die ISO 3664 und passte sie den heutigen Umständen an. Wenn früher UV-Anteile streng verboten waren, dann sind sie heute Teil der Norm. Denn früher stand die Übereinstimmung von Dia und Druck im Vordergrund, während heute Monitor, Digitalproof und Offsetdruck wichtig sind. Daher müssen Proofs immer unter D50 Normlich betrachtet werden, damit sie in ihrer Wahrnehmung auch wirklich „farbverbindlich“ sind.

Wer Metamerieeffekte überprüfen möchte, dem sei der UGRA Farbtemperatur Indikator empfohlen. Mit diesen Streifen können sehr schnell und anschaulich Metamerieeffekte überprüft werden.

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