Zehn Punkte, die Sie beim Proof unbedingt beachten sollten.

 

Proofs erstellen zu lassen ist eigentlich ganz einfach. Erfahrungsgemäß stolpern zahlreiche Kunden aber über die immer gleichen Fehler. Wir haben Ihnen die wichtigsten sieben Punkte für einen erfolgreichen Proofjob zusammengestellt:

1.: Proofen Sie so spät wie möglich im Produktionsprozess
2.: Wählen Sie das richtige Proof Profil für Ihre Zwecke aus
3.: Wandeln Sie RGB oder LAB Bilder nach CMYK um
4.: Benennen Sie Pantone und HKS Farben korrekt
5.: Proofen Sie Ihre Daten im Verhältnis 1:1 und nicht kleinskaliert
6.: Proofen Sie stets mit UGRA/Fogra Medienkeil 3.0
7.: Achten Sie auf ein korrektes Job-Ticket
8.: Achten Sie bei Ihrem Dienstleister auf aktuelle Proof Software und Hardware
9.: Akzeptieren Sie nur echte „Kontrakt-Proofs“ nach ISO 12647-7
10.: Achten Sie auf gültige Zertifizierungen Ihres Proof-Dienstleisters

im Folgenden möchten wir Ihnen diese einzelnen Punkte etwas ausführlicher vorstellen.

 Proofen Sie so spät wie möglich im Produktionsprozess

Die optimale Lösung liegt auf der Hand: Senden Sie dieselben Daten zum Proof, die Sie auch in die Druckerei senden. So stellen Sie sicher, dass der Proof wirklich zum Druck passt. Ich erinnere mich an einen Fall, bei dem eine von uns geproofte Anzeige reklamiert wurde, auf der ein Bild eines menschenleeren Ganges in einem Gebäude war: „Der Proof sieht ja farblich ganz anders aus als der Druck“. Nach langer Fehlersuche in Farbräumen und Bildformaten fiel auf: Die Perspektive des geprooften Ganges war etwas unterschiedlich zum tatsächlich gedruckten Gang. Warum? Die Agentur hatte in letzter Minute noch das ursprüngliche – und geproofte – Bild gegen ein etwas anders fotografiertes Bild desselben Ganges getauscht. Dass hier die Farbe nicht mehr stimmen kann, ist sofort klar.
Proofen Sie daher wenn möglich dieselben Daten, die Sie auch in den Druck senden oder stellen Sie sicher, daß Bilder und PDF-Exporteinstellungen für den Proof und den Druck identisch sein.

Wählen Sie das korrekte Proof Profil für Ihre Zwecke aus.

Ein Proof ist nur dann farbverbindlich, wenn er mit dem passenden Proof Profil erstellt wurde. Wer ein Briefpapier proofen möchte, kann nicht nach ISOCoatedV2 proofen. ISOCoatedV2 ist ein Bilderdruckpapier-Proofstandard, während ein Briefpapier immer auf Naturpapier gedruckt wird. Sie sollten stattdessen PSOUncoated als Proofstandard wählen. Ein ISOCoatedV2 Proof wird viel bunter, als das je auf einem Naturpapier gedruckt werden könnte. Und auch für den Zeitungsdruck taugt ISOCoatedV2 nichts, hier benötigen Sie ein ISONewspaper 26v4 oder ähnliches.
Eine Übersicht über alle derzeitigen Proof Profile finden Sie hier.

Wenn der finale Druck und damit das Proof Profil noch nicht feststeht oder kein Druckprofil bekannt ist (z.B. für Roll-Ups etc.) proofen Sie in ISOCoatedV2.

Wandeln Sie RGB oder LAB Bilder nach CMYK um

Der überwiegende Teil aller Proofs wird von PDF-Dateien in X1-a oder X3 erstellt. Agenturen und Grafiker erstellen Ihre Daten entweder in CMYK oder wandeln beim PDF-Export Farbräume wie RGB oder LAB nach CMYK um. Das hat seine Berechtigung:
Moderne RIP Software in Druckereien oder beim Proofdienstleister kann zwar problemlos RGB oder LAB Farben während des Proofs in den CMYK Proof-Farbraum konvertieren. Möglicherweise verwendet aber die Druckerei andere RGB-Profile (z.B. ECI-RGB statt AdobeRGB 1998) oder andere Rendering Intents (z.B. „absolut colorimetrisch“ statt „perzeptiv“) für die Farbkonvertierung von RGB/LAB nach CMYK wie Agentur oder Proofhersteller, was natürlich zu einem anderen Farbergebnis führt. Auf der sicheren Seite sind Sie daher immer, wenn Sie alle Daten in CMYK zum Proof liefern. Schmuckfarben sind davon natürlich ausgenommen, sie sollten als zusätzlicher Farbauszug angelegt sein.

Benennen Sie Pantone und HKS Farben korrekt

Für Sie mögen Farbbezeichnungen wie „Das Grün vom letzten Druckauftrag“ oder „Kunden-Rot“ eindeutige Farbbezeichnungen sein. Das Proof-RIP kann aber solche Farbnamen nicht korrekt interpretieren. Benennen Sie Farben daher eindeutig in „HKS 41 K“ und „PANTONE 217 C“. Das funktioniert dann ganz einfach, wenn Sie die Farben in den Adobe Programmen aus den mitgelieferten Pantone und HKS Bibliotheken auswählen. Wichtig ist auch: Für den Drucker ist eine HKS 41 eine HKS 41. Für das RIP ist eine „HKS 41 K“ eine gänzliche andere Farbe als eine „HKS 41 N“, eine „PANTONE 217 C“ eine andere Farben wie eine „PANTONE 217 U“. Wählen Sie also auch hier je nach Naturpapier oder Bilderdruck die richtige Farbe. Eine „HKS 41“ oder eine „PANTONE 217“ kennt ein professionelles Proof RIP nicht.

Proofen Sie Ihre Daten im Verhältnis 1:1 und nicht kleiner skaliert

Ein Proof ist nur dann aussagekräftig, wenn er in der gleichen Grüße wie der spätere Druck angelegt ist. Warum? Beim Kleinrechnen von Daten werden zum einen Details verschluckt und zum anderen Bildanteile möglicherweise unterschiedlich berechnet. Während ein Hemd mit Karomuster aus Rot und Weiss im DIN A3 Original noch gut unterscheidbare Farben bietet, ist sein auf DIN A6 skalierter Pedant vielleicht nur noch flächig rosa, da durch die Skalierung das Karo zu einer Fläche umgewandelt wird. In diesem Falle ist der Proof sowohl für die Beurteilung vorab als auch für den Druck nutzlos. Proofen Sie daher lieber einen Ausschnitt 1:1 zum späteren Endformat, als das ganze Motiv kleinzurechnen.

Proofen Sie mit UGRA/Fogra Medienkeil 3.0

Ein Proof ist nur dann farb- und rechtsverbindlich, wenn er einen Medienkeil trägt. Zwar ist der alte Medienkeil in der Version 2.2 bei einigen Dienstleistern noch Standard, aber bereits seit 8 Jahren ist der Medienkeil in der Version 3.0 veröffentlicht. Wer also noch den 2er Medienkeil prooft, hat vermutlich seit 2008 seine Proof Software nicht mehr aktualisiert. Meiden Sie diese Dienstleister. Wenn Sie den Medienkeil zudem mit einem Prüfprotokoll versehen lassen können Sie und die Druckerei auf den ersten Blick erkennen, daß die geprooften Daten innerhalb der Toleranzen der ISO Norm sind.

Einen aktuellen UGRA/Fogra Medienkeil CMYK V3.0 mit Prüfprotokoll sehen Sie hier:medienkeil_mit_pruefprotokoll

Achten Sie auf ein korrektes Job-Ticket

Gemäß ISO 12647-7 muss jeder Proof ein Jobticket mit mindestens folgenden Anforderungen „einfach und verständlich“ enthalten:

  • Bezeichnung des Drucksystems (Drucker, Software)
  • Bezeich nung der Farbmittel (Tinten)
  • Bezeichnung des verwendeten Substrates
  • Kennzeichnung der zu simulierenden Druckbedingung
  • Datum und Uhrzeit der Proof Erstellung
  • Datum und Uhrzeit der letzten Kalibrierung
  • Die benutzten Farbprofile, mindestens aber des verwendeten Simulationsprofiles und des Rendering Intents für die Simulation

Nicht weniger, aber auch nicht unbedingt mehr müssen auf dem Proof aufgedruckt sein.

Achten Sie bei Ihrem Dienstleister auf aktuelle Proof Software und Hardware

Wir kennen leider Dienstleister, die seit über 10 Jahren ihre Proof Systeme nicht mehr kalibriert haben. Auch die Proof Software dort ist noch Stand 2003. Daß hier keine Proofs nach ISO 12647-7 mehr produziert werden können, liegt auf der Hand. Zwar verkaufen solche Unternehmen Proofs, produziert wird aber lediglich buntes Papier. Achten Sie also darauf, daß Ihr Proof Dienstleister aktuellste Software und Hardware verwendet. Gerade bei der Simulation von HKS und Pantone Farben bringt jede neue Hardware und neue Software sichtbare Verbesserungen. Und auch moderne PDF-Formate wie PDF X-4 können auf alten RIPs nicht korrekt verarbeitet werden.

Akzeptieren Sie nur echte „Kontrakt-Proofs“ nach ISO 12647-7

Die ISO Norm ist unmissverständlich:
ISO 12647-7 = „Contract Proof
ISO 12648-8 = „Validation Print
Dennoch kennt die Phantasie mancher Dienstleister keine Grenzen: ISO Raster Proofs, Schwabenproofs … dahinter verbirgt sich meist ein „Validation Print“ nach ISO 12647-8. Das klingt auf den ersten Blick nur nach einer Acht statt einer Sieben hinter der ISO 12647, aber: Diese sogenannten „Proofs“ sind tatsächlich nur „Prints“ und NICHT farb- und rechtsverbindlich, da für -8 höhere Toleranzen gelten als für -7! Bevor Sie also die ganz preiswerten „Möchtegern-Proofs“ mancher Dienstleister bestellen sollten Sie überlegen, ob Sie nicht für ein wenig Geld mehr einen wirklich farb- und rechtsverbindlichen „Kontrakt Proof“ nach ISO 12647-7 bestellen. „Kontrakt“ steht für „Contract“, also „Vertrag“ zwischen Proof und Druckerei. Fogra und ISO haben gut daran getan, nur ein Produkt „Proof“ zu nennen, und das andere eben nur „Print“. Lassen Sie sich also bitte nicht einen „Print“ für einen „Proof“ verkaufen. Der eine ist farb- und rechtsverbindlich, der andere nicht.

Achten Sie auf gültige Zertifizierungen Ihres Proof-Dienstleisters

Zahlreiche Proof Dienstleister werben mit Fogra Logos auf ihrer Website. Die Fogra zertifiziert tatsächlich auch Proof Betriebe, die sich einer ausführlichen Prüfung ihrer Proofs unterziehen müssen. Die Fogra Zertifizierungen gehen weit über die reine Prüfung eines Medienkeiles hinaus und enthalten viele weitere Prüfkriterien, die für eine Zertifizierung erfüllt werden müssen. Fogra Zertifizierungen laufen nach einem Jahr aus. Die Proof-Qualität muss dann im Zuge einer Re-Zertifizierung durch die Fogra neu bestätigt werden.

Viele Dienstleister scheuen die erneute Prüfung ihrer Qualität durch die Fogra, werben aber noch nach Jahren mit ihren teilweise schon im Jahr 2008 abgelaufenen Zertifizierungen. Akzeptieren Sie Fogra Zertifikate nur dann, wenn Sie für die „Contract Proof Creation“ ausgestellt wurden und eine fünfstellige Nummer tragen. Diese Nummer können Sie bei der Fogra recherchieren: http://www.fogra.de/fogra-fogracert-de/druckvorstufe/proof/prooferstellung/contract-proof-zertifiziert/

Wird nach Eingabe der Gutachtennummer ein Ergebnis ausgegeben, verfügt der Proof-Dienstleister über eine aktuell gültige Zertifizierung, die eingesehen werden kann. Wird kein Ergebnis ausgegeben, wirbt der Dienstleister nur damit, verfügt aber über keine gültige Fogra Zertifizierung. Das gilt derzeit leider für zahlreiche Proof Dienstleister, da die Fogra ihre Zertifikate nur ungenügend überprüft.

Hier sehen Sie unsere gültige Fogra Zertifizierung für die Prooferstellung nach Fogra 39
Ein gültiges Fogra Zertifikat sehen Sie hier
Einen ausführliche Fogra Prüfbericht zur Zertifizierung sehen Sie hier

 

Weitere Beiträge zum Thema

6 Gedanken zu „Zehn Punkte, die Sie beim Proof unbedingt beachten sollten.

  1. Hallo Herr Betz,

    vielen Dank für ihre Ausführungen , jetzt ist mir auf jeden Fall die explizite Trennung zwischen Statuszeile (jobticket) und Messprotokoll (Auswertung) klar geworden.

    Bei den Angaben zur Statuszeile haben sich für mich aber weitere Anmerkungen/Fragen ergeben, insbesondere in Bezug zu den Angaben der Fogra:

    1. Sie führen bei den Angaben der Statuszeile das Kalibrierungsdatum als „Muss“ auf, die Fogra bezeichnet es als nicht normativ, also als Empfehlung.
    http://www.fogra.org/fogra-fogracert-de/druckvorstufe/proof/prooferstellung/statuszeile-cpc/Statuszeile%20(Prüfdruck).html

    2. Sie führen ebenfalls das „Rendering Intent“ auf (der Meinung bin ich auch), die Fogra führt es nicht auf (siehe link oben). Hier lautet eine Formulierung: „Farbmanagementprofile (Typischerweise die systeminternen Bezeichnung der verwendeten Farbtabellen)“. Ist damit das Rendering Intent gemeint?

    Wenn ich aber das Beispiel für einen konformen Prüfdruck auf der Fogra-seite ansehe, dann finde keine Angabe zum Intent.
    http://www.fogra.org/images/34_Example_Proof_Wedge_StatusLine_GMG.png

    Ich bin Lehrer an einem Berufskolleg und habe Drucktechnik (inkl. Colormanagement) studiert. Diese Diskussion geht wahrscheinlich über den Schulstoff etwas hinaus, aber ich möchte gerne auch für mich Klarheit gewinnen.

    Herzliche Grüße, Markus Kohlen

    • Hallo Herr Kohlen,

      die Jobtickets von GMG und EFI/Fiery unterscheiden sich tatsächlich in manchen Bereichen, ich vermute aber, daß beide inhaltlich ISO Kriterien genügen dürften. Was EFI anbelangt, gibt es ein Voreinstellung, die aber in zahlreichen Punkten ergänzt bzw. abgewandelt werden kann.
      Ehrlich gesagt habe ich mir in dieser Tiefe noch nie Gedanken zu meinem Jobticket gemacht; ich absolviere und bestehe ja jährlich die Fora-Zertifizierung, bei der diese Angaben überprüft werden – und damit habe ich das als „nach bestem Wissen und Gewissen“ umgesetzt und als korrekt bestätigt abgehakt.

      Ich vermute, der Schlüssel zu den von Ihnen angesprochenen normativen bzw. nicht-normativen Teilen liegt in der ISO 12647-7 selbst, vermutlich sind dort die Punkte abschließend präzise beschrieben, denn dafür sind ISO-Normen ja da. Die vollständige aktuelle Norm ist aber meines Wissens nach nur gegen Entgelt bei der ISO zu beziehen. Möglicherweise wäre es also ratsam, sich an die „Urheber“ der Norm bzw. deren deutsche Vertreter zu wenden, da müsste dieses Wissen ja vorhanden sein. Aus dem Bauchgefühl heraus würde ich mich an Andreas Kraushaar von der Fogra wenden, er ist Convenor in der Arbeitsgruppe 3 – Prozesssteuerung und Messtechnik- der ISO ISO TC 130 (Technical Committee – Graphic Technology), der Gruppe, die für die ISO 12647-7 verantwortlich zeichnet, wobei das auch in der Arbeitsgruppe 2 – Vorstufe – verankert sein könnte. Siehe Fogra ISO News. Auch hier kann Ihnen Herr Kraushaar sicher weiterhelfen. Email: kraushaar@fogra.org. Er antwortet stets schnell und umfassend, wäre aber sicher froh, wenn Sie noch bis zum 20.2. warten könnten … dann ist das zweitägige Colormanagement-Symposium der Fogra vorbei, dessen Vorbereitung ihn bis dahin sicher sehr in Atem hält.

      Als ich mich mir Ihrem Anliegen beschäftigt habe, kam mir ein kniffeliger Fall von vor circa einem Jahr in den Sinn, bei dem das Jobticket gute Dienste in der Fehlersuche leisten konnte. Ein Kunde, der ab und an Proofs von mir erstellen lässt kam mit einem Problem zu mir. Er hatte bei einem Kollegen einen Proof mit zahlreichen dunkelblauen Farbfeldern erstellen lassen, um die genaue CMYK Zusammensetzung eines vorgegebenen Lack-Farbmusters optimal abzustimmen. Auf dem Proof waren ca. 50 dunkelblaue Quadrate, und unter diesen die CMYK Werte derselben, bei der die Farben in jeweils 2%-Schritten variiert wurden. Auf Basis dieses Proofs wurde eine CMYK Farbe gewählt und diese dann in verschiedenen Druckereien in verschiedenen Produkten gedruckt: Flyer, Postkarten, Plakate, Broschüren. Aber die originale, anhand des CMYK Daten des Proofs abgestimmte Farbe konnte nie erreicht werden. Ein Proof von mir mit denselben Daten brachte deutlich unterschiedliche Blautöne zutage, bei ebenfalls gut ausgemessenem Prüfprotokoll. Was war passiert?

      Ich habe als erstes den Medienkeil nachgemessen, um auszuschließen, daß der Proof des Kollegen farblich in die Hose gegangen war, was bei alter Messtechnik oder verstopften Düsen des Proofdrucker gut mal passieren kann. Die erlaubten Toleranzen des Medienkeiles sind so hoch, da kann auch ein ziemlich miserabler Keil noch gut ausgewertet werden. Die Werte des Medienkeils waren aber gut, ein Fehler hier also eher unwahrscheinlich.

      Bei der „Lektüre“ des Jobtickets und der Analyse der originalen Proofdaten kam ein Verdacht auf: Die Agentur hatte Daten nach „Fogra27 – ISOCoated“ zum Kollegen geschickt, der diese nach „Fogra39 – ISOCoatedV2“ geprooft hatte. Das hatte ich auch getan, aber ich verwende im Proof folgende Herangehensweise: Wenn ein Kunde einen Proof nach ISOCoatedV2 bestellt und mir CMYK Daten liefert, dann bringe ich seine exakten CMYK Werte auf meine virtuelle Druckplatte und drucke diese nach ISOCoatedV2 Standard. Ein CMYK Farbfeld mit z.B. 100/75/10/55 bringe ich exakt so auf die ISOCoatedV2-„Platte“, egal welches Source-Profil eingebettet ist. Der Kollege aber arbeitete vermeintlich präziser: Er nahm den CMYK-Farbwert im Source-Farbraum ISOCoated und hob ihn via CMYK nach CMYK Farbraumtransfer nach ISOCoatedV2 um – ohne natürlich die in schwarz unter die blauen Farbquadrate geschriebenen CMYK Farbwerte zu verändern. So kam es, daß im Proof meines Kollegen der Farbwert des blauen Quadrates mit der darunterstehenden Klartext-Farbwertangabe überhaupt nichts mehr zu tun hatte, sondern sich teilweise um +/- 10% pro Farbe unterschied. Durch den aus den Daten des Jobtickets resultierenden Verdachtes konnten wir bei mir den Proof meines Kollegen nachstellen, eine Erklärung für die unterschiedlichen Farbwerte der blauen Quadrate finden und der Agentur anhand meines Proofs den nun korrekten Farbwert zum Lackmuster an die Hand geben.

      Ganz klar: Mein Kollege hat nichts falsch gemacht, im Gegenteil: Er hat den kunden-definierten Farbwert im kunden-definierten Eingangsfarbraum sehr gut im kunden-gewünschten Ausgabefarbraum wiedergegeben – nur leider dem Kunden nicht erzählt, daß jetzt die blauen Farbquadrate nichts mehr mit den daruntersetzenden CMYK Werten zu tun haben. Ich dagegen, der im Falle eines Profilkonfliktes das Eingabeprofil verwirft und die enthaltenen CMYK Werte im bestellten Ausgabefarbraum interpretiert, habe mit meinem Proof das in diesem Falle gewünschte Ergebnis erzielt.

      In diesem Fall lag der Diagnose- und Kontrollproof-Aufwand bei rund 1,75 Stunden. Das reine Ausmessen des Medienkeiles hätte in diesem Fall keinerlei Hinweis für die Problemfindung gegeben. Erst das Jobticket brachte den Hinweis auf den möglichen Grund der unterschiedlichen Farbigkeiten zweier laut Medienkeilen perfekt zertifizierten ISO-konformen farb- und rechtsverbindlichen Proofs derselben PDF-Datei.

      Mit besten Grüßen, Matthias Betz

      • Hallo Herr Betz,
        vielen Dank für ihre ausführliche Antwort und das schöne Beispiel. Sicherlich könnte man sagen, dass der Dienstleister den Kunden informieren könnte, aber die eigentliche Fehlerkette fängt schon beim Kunden an, wenn er nach Fogra27 umwandelt und einen Proof nach Fogra39 in Auftrag gibt.

        Zurück zu meiner Ausgangsproblematik:
        Ich hatte mich zeitgleich bereits an die Fogra (Herr Oberhollenzer) gewendet und ich glaube, ich habe jetzt Klarheit. Unter http://www.fogra.org/fogra-standardisierung/digitaldruck-1-48/digitaldruckstandardisierung.html
        findet man das Handbuch zum „ProzessStandard Digitaldruck“, indem auf Seite 13 die normativen Angaben der Statuszeile und die entsprechenden Toleranzwerte aufgeführt werden. Hier findet man auch den direkten Vergleich der ISO-12647-7 und ISO-12647-8 (Validation Print)

        Demzufolge könnten sie ihre oben stehenden Vorgaben zum Jobticket folgendermaßen anpassen:

        Normativ:
        – „Contract Proof according to ISO 12647-7“
        – Bezeichnung des Drucksystems (Drucker, Software)
        – Bezeichnung der Farbmittel (Tinten)
        – Bezeichnung des verwendeten Substrates
        – Kennzeichnung der zu simulierenden Druckbedingung
        – Datum und Uhrzeit der Proof Erstellung
        – Die benutzten Farbprofile, mindestens aber des verwendeten Simulationsprofiles

        Optional:
        – Datum und Uhrzeit der letzten Kalibrierung (nur beim Validation Print normativ)
        – Rendering Intents (ist ja in 99% der Fälle „absolut farbmetrisch“)

        Vielen Dank für diese spannende Diskussion zu einem spannenden Thema.

        In diesem Zusammenhang habe ich auch noch eine Frage bezüglich ihrer Arbeit im Prüfungsausschuss der Mediengestalter, aber mache ich per Email, wenn es ihnen Recht ist.

        Herzliche Grüße
        Markus Kohlen

  2. Hallo Herr Betz,

    ich hätte eine Verständnisfrage:
    Sie zeigen in ihrem Artikel einen aktuellen Medienkeil mit einem Prüfprotokoll.
    Dieses Protokoll enthält aber nicht alle Angaben, die als geforderten Mindestangaben in ihrem Artikel aufgeführt sind (z.B. fehlen Angaben zum Substrat und des Rendering Intents). Wäre das von ihnen gezeigte Beispiel dadurch nicht ein Proof, der gemäß ISO 12647-7 nicht gültig ist? Oder habe ich da etwas falsch verstanden?
    Herzliche Grüße, Markus Kohlen

    • Sie haben Recht, das ist missverständlich. Das Prüfprotokoll beschreibt lediglich den Teil, der sich auf die Auswertung des Medienkeiles bezieht. Über dem Medienkeil steht auf Proofs ein sogenanntes „Jobticket“, das die von Ihnen angesprochenen Angaben enthält. Bei der Zertifizierung durch die Fogra wird dieses Jobticket auch auf Vollständigkeit der Angaben geprüft. Wenn Sie sich unseren Zertifizierungsreport der Fogra laden, dann finden Sie diese Angaben auf Seite 9.

      Der Proof besteht also aus vier Elementen:
      1.: Die geprooften Kundendaten
      2.: Das Jobticket
      3.: Der Medienkeil
      4.: Das Prüfprotokoll (optional)

      Ein Proof ist auch ohne Prüfprotokoll farb- und rechtsverbindlich, nicht aber ohne Jobticket.

      • Ich habe noch einmal nachgesehen, leider habe ich keine guten Bilder von kompletten Jobtickets gespeichert. Auf diesem Bild können Sie meine Ausführungen aber ganz gut nachvollziehen, obwohl der Teil mit dem Rendering Intent leider verdeckt ist.
        Oben: Proof (verdeckt, da sieht man leider nur noch die Beschnittmarken)
        Dann: Jobticket
        Darunter: Medienkeil
        Darunter: Prüfprotokoll

        Jobtickets Contract Proofs
        Hier sieht man es etwas besser

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