PANTONE „Find a Color“ ohne Anmeldung nicht mehr verfügbar

Neue Startseite von PANTONE Find a Colour: Jetzt nur noch mit PANTONE Connect: Ohne Anmeldung kann man nicht einmal mehr die RGB und CMYK Werte von PANTONE Farben auf der PANTONE Website aufrufen.

Das ging ja schnell: Nur wenige Tage nach Adobes Ankündigung, die PANTONE Farben aus ihren neuesten Revisionen der Adobe Produktreihe zu entfernen, hat PANTONE reagiert und das beliebte Tool „PANTONE Find a Color“ aus dem Internet entfernt. Stattdessen findet sich jetzt dort der Login zu PANTONE Connect, einem Tool, das die bisherige Funktionalität teils gratis, und teils gegen einen Abonnementpreis mit Erweiterungen zur Verfügung stellt.

Neue Startseite von PANTONE Find a Color: Jetzt nur noch mit PANTONE Connect: Ohne Anmeldung kann man nicht einmal mehr die RGB und CMYK Werte von PANTONE Farben auf der PANTONE Website aufrufen.

Wer die gewohnte Funktionalität wieder sucht, muss sich wenigstens registrieren, viele Zusatzfeatures sind aber nur gegen einen saftigen Aufpreis erhältlich. Der Rabatt im ersten Jahr klingt ja noch halbwegs preiswert, aber bei der Zahlung des vollen Preises gibt es die PANTONE Farben nur noch gegen 6,99 €/ Monat bzw. fast 84 Euro pro Jahr. Das ist ein stolzer Preis dafür, daß PANTONE ja ein ureigenes Interesse daran haben sollte, daß ihre Farben im Internet auch von Menschen genutzt werden sollten, die keinen PANTONE Fächer in den Händen halten.

Preistabelle von PANTONE Connect: Wer alle Funktionen braucht, muss tief in die Tasche greifen.

PANTONE Color Manager eingestellt

Der beliebte PANTONE Color Manager wurde ebenfalls eingestellt. Diese Software war ja für jeden verfügbar, der einen PANTONE Fächer gekauft hatte. Auf dessen Rückseite war ein individueller Code aufgedruckt, mit dem man den PANTONE Manager herunterladen und zum Laufen bringen konnte. Einmal installiert, konnte man hier auf alle aktuellen Fächer, Farben und wichtigsten Farbdefinitionen in RGB und CMYK zurückgreifen und alle PANTONE Farben als LAB, CMYK und mehr als ASE und ACO für Photoshop, Illustrator und InDesign exportieren. Wenn Sie nun die Website des Color Manager aufrufen heißt es dort: Produkt eingestellt.

Aber vielleicht ist ja genau auch das der neue Ansatz von PANTONE: Wir sind so groß, wir können uns alles leisten. Eben wie bei Adobe: Ohne Abo geht einfach gar nichts mehr. Aber während Adobe wirklich im grafischen Sektor Maßstäbe gesetzt hat, ist PANTONE in den letzten Jahren durch seine oft kurzfristigen Aktionen nicht unbedingt als der unumsstößliche „Biggest Global Player in Sachen Farbe“ aufgefallen.

Mal sehen, wie sich die nächsten Monate darstellen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß PANTONE doch zurückrudern muss. Wenn ein lizenzfreies Farbsystem wie das freieFarbe CIELAB HLC Farbsystem einmal Fuß fassen sollte, dann brechen für die lizenzgetriebenen Systeme schwere Zeiten an. Wenn sich mehr Unternehmen solchen duelloffenen, transparenten und dennoch präzisen und vorhersagbaren Lösungen öffnen, dann ist PANTONE schnell auf einem schwierigen Gleis. Denn in Sachen Farbe fällt es sicher schwer, einmal verlorene Marktanteile wieder zurückzugewinnen. Was ebenfalls auffällt:

PANTONE Connect sehr schlecht bewertet

Wenn man bei den Erweiterungen von Adobe nach PANTONE Connect sucht, dann treibt einem die Lektüre der Bewertungen die Tränen in die Augen. Bei dem Tool Ekomi, das wir von der Proof GmbH für die Bewertungserfassung nutzen, gibt es die beste Bewertungsnote nur bis 4,8 von 5 Sternen. Und unterhalb von 4 von 5 Sternen wird alles als Desaster gewertet. Und PANTONE Connect: 1,9 von 5 Sternen. Das bedeutet umgangssprachlich: Absolut miserabel.

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Adobe Software ohne PANTONE Farben

CIELAB HLC Colour Atlas XL Farbkreis

Die Ankündigung war so nicht erwartet worden: Ab März 2022 werden die neuen Adobe Software Produkte keine mitgelieferten PANTONE Farbbibliotheken mehr enthalten. Adobe erklärte: „Im März 2022 werden die Pantone-Farbbibliotheken, die in Adobe Photoshop, Illustrator, InDesign, Adobe Color und Adobe Capture vorinstalliert sind, aus zukünftigen Software-Updates entfernt.“

https://helpx.adobe.com/creative-cloud/adobe-color.html

Dass Adobe und PANTONE sich in den letzten Jahren zunehmend entfremdet haben, war schon länger zu spüren.

Die Einbindung aktueller PANTONE Bibliotheken wurde schleppend oder in letzter Zeit schon nicht mehr automatisch vollzogen, wer aktuelle Bibliotheken haben wollte, musste diese über den PANTONE Color Manager exportieren und in Adobe Software importieren … ein mühseliges und fehlerbehaftetes System. Vermutlich werden es aber die Lizenzkosten gewesen sein, die Adobe zu dem finalen Schritt bewogen haben. Der mit großem Abstand führende Softwarehersteller war es vermutlich einfach leid, sich von PANTONE lizenzrechtlich gegängelt zu sehen und ging den Schritt konsequent zu Ende: Keine PANTONE Paletten mehr für Adobe Produkte.

Ob es die Anwender kümmern wird? Wer Designs in PANTONE Farben im Computer hat, hat die Farben nach wie vor alle in seiner Software vorhanden, jedes in InDesign platzierte AI oder EPS aus Illustrator hat die dort angelegten PANTONE Sonderfarben direkt wieder in InDesign importiert vorhanden. Und eine weitere Farbe ist auch händisch schnell neu angelegt – nun gut, vielleicht nicht mit den aktuellsten LAB-Werten von PANTONE, aber eine CMYK Entsprechung aus dem Bauch heraus tut es ja auch, um die Farbe zumindest halbwegs am Bildschirm sehen zu können. Ich denke also nicht, daß bei uns die Telefonleitungen heißlaufen werden, da unsere Kunden ihre PANTONE Farben nicht mehr finden können.

Aber nichts desto trotz: Es ist ein Paradigmenwechsel, den Adobe hier vollführt:

PANTONE hat sich eben doch über die Jahre hinweg nicht so verbessern können, wie es sich die Branche erhofft hatte. Holger Everding von freieFarbe hat das in seinem Blogeintrag passend zusammengefasst. Er schreibt:

„Die mangelnde Qualität des Systems dürfte den meisten Lesern dieser Zeilen bekannt sein:

  • unübersichtliche Vielfalt an Farbfächern und darin enthaltener Farbtöne
  • hiermit verbundene lückenhafte Softwareintegration
  • mangelnde Genauigkeit und hohe Metamerie der Farbfächer und Farbtöne, bedingt durch diverse Hersteller mit verschiedenen Papieren und Pigmenten
  • sehr restriktive Lizenzpolitik, keine frei zugängliche Quelle für Farbwerte“

Aber schadet das Zerwürfnis nun eher PANTONE oder eher Adobe?

Ich bin da gespalten. Vermutlich werden sich beide Partner zügig berappeln: PANTONE wird sicher den nachvollziehbaren Weg gehen, die lizenzrechtlich restriktive Politik der letzten Jahre verändern und abzumildern: Sie müssen mehr Standard-Features kostenlos für alle Anwender anbieten. Insbesondere kleine Unternehmen und Designer wollen und können keine monatlichen Abokosten für die nicht abgespeckte Version von Adobe Connect bezahlen. Schließlich ist Pantone nur ein Leitfaden, es gibt viele andere Möglichkeiten, Farben zu bestimmen. Und Adobe? Adobe wird sicher die Gelegenheit nutzen, die Fühler nach praxisnahen Alternativen von PANTONE auszustrecken und diese freiwillig in Adobe zu implementieren, um sich hier auch vom Lizenzdruck von PANTONE freizuschwimmen. Denn Konkurrenz belebt ja bekanntermaßen das Geschäft. Und wenn erst einmal freie Farbsysteme wie das freieFarbe CIELAB HLC System in Adobe integriert würde, dann würde PANTONE sicher schnell verstehen, daß sie eben kein „Monopol“ auf Sonderfarben hätten, im Gegenteil:

Wenn Adobe frei verfügbare, präzise und transparente Farbsysteme in ihre Softwares integrieren würden, müsste PANTONE endlich einmal die überfälligen Schritte gehen, sich besser und konsequenter aufzustellen, um jemals wieder den Weg zurück in Adobe Software zu finden. Passiert das nicht, zählt PANTONE im Zweifel schnell zu den Dinosaurier-Farbsystemen, die einen Einschlag nicht überlebt haben. Denn bessere, offenere und transparentere Systeme stehen ja nicht nur in den Startlöchern: Es gibt sie bereits heute.

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