EAN / GTIN Codes erstellen: Tipps für Grafiker

 

EAN Codes gehören heute auf jedem Produkt zum Standard. Tippte gestern noch Tante Emma die Preise von Hand in eine Kasse, sind heute Scannerkassen die Regel, die standardisierte EAN Codes mit einem Laser abtasten und so den Artikel eindeutig erkennen und dem Kassenzettel hinzufügen.

EAN übrigens steht für „European Article Number“, also Europäische Artikel Nummer und wurde 2009 durch das globale GTIN, „Global Trade Item Number“ abgelöst. Die EAN bzw. GTIN ist ein Strichcode, der maschinell gelesen werden kann und von Barcode Lesegeräten ausgelesen werden kann.

Für Grafiker in Europa im Produktbereich wichtig sind primär zwei Standards aus der fast unendlichen Vielzahl der weltweit verbreiteten EAN Codes. EAN 13 und EAN 8, also ein Strichcode aus entweder 13 oder 8 Zahlen. Was bedeuten diese Zahlen eigentlich?

EAN 13:

  • Die ersten drei Stellen sind das Länderpräfix: 400 bis 440 für Deutschland, 760 bis 769 für die Schweiz und Liechtenstein, 900 bis 919 für Österreich
  • Es folgt eine Unternehmensnummer, die 4 bis 6 Stellen lang sein kann
  • Dann folgt eine Artikelnummer des Herstellers, die 3 bis 5 Stellen lang sein kann
  • und abschließend eine Prüfziffer, die 13. Stelle.

Für Bücher z.B. existiert ein eigener EAN / GTIN 13 Code, bei dem das Länderpräfix durch ein fiktives Buchland mit der Nummer 979 oder 978 bzw. für Zeitschriften 977 ersetzt wird. Es folgen eine zehnstellige ISBN bzw. eine achtstellige ISSN ohne Prüfziffer, die im Falle der kurzen ISSN meist durch zwei Nullen auf 13 Stelle vervollständigt werden.

EAN 8:

  • Die ersten 2 bis 3 stellen sind das Länderpräfix
  • Dann folgt eine Artikelnummer, die 4 bis 5 Stellen lang ist
  • und abschließend eine Prüfziffer, die 8. Stelle

Der EAN 8 Code ist ein Kurzcode entweder für Produkte bei denen der EAN 13 Code zu viel Platz einnehmen würde. Die wichtigste Anwendung für EAN 8 aber ist: Alle Codes mit der Startziffer 2 können lizenzfrei innerhalb eines Unternehmens verwendet werden, sie sind aber im Vergleich zu allen anderen EAN Nummern nicht weltweit einzigartig. Grafiker kommen am häufigsten mit EAN 8 Codes von Unternehmen wie ALDI und Co. in Kontakt, die eben genau diese Möglichkeit von internen Codes nutzen.

  • Aldi Nord kodiert eigene Produkte in der Form 290X-XXXX, 290 ist dabei quasi eine „Ländernummer“ für die interne Verwendung
  • Aldi Süd kodiert eigene Produkte mit einem EAN-8 der Form 221X-XXXX

Daneben existieren viele weitere Anwendungen wie Instore Nummern z.B. für selbst gewogene Artikel wie Bananen etc, bei denen in den letzten Ziffern das Gewicht oder der Preis eingearbeitet wird.

Bei beiden Codes steht jeweils unter der Linienstruktur normalerweise eine Klarschriftzeile, in der die 13 bzw. 8 Zeichen zumeist in einer maschinenlesbaren Schrift wie der OCR-B aufgedruckt sind. Für dem Fall, daß der EAN Code maschinell beispielsweise aufgrund einer mechanischen Beschädigung nicht gelesen werden kann, besteht dann immernoch die Möglichkeit, daß die Kassiererin die 8 bzw. 13 Ziffern abliest und in die Kasse eintippt.

Was ist bei der Erstellung von EAN Codes zu beachten?

Der EAN 13 Code besteht aus 113 gleichbreiten Elementen, sogenannten Modulen, die exakt 0,33mm (0.0130 inches ) breit sind. Auf den Seiten muss vor neben der Startsequenz eine Ruhezone, auch Hellfeld genannt von links 11 und rechts 7 Modulbreiten sein, bleiben also 95 Module für den eigentlichen Code. Der beginnt jeweils mit einer 101-Sequenz, also einer Linienfolge schwarz-weiss-schwarz links und rechts. In der Mitte des Codes ist eine Linienfolge 01010, also weiss-schwarz-weiss-schwarz-weiss eingearbeitet. Für den EAN 8 Code ist die Anzahl der Module auf 81 begrenzt, die Ruhezone besteht hier aus jeweils 7 Modulbreiten.

Die EAN Codes sind in der Standardausführung, d.h. bei 100% Vergrößerung bei EAN 13 37,29 x 26,26 mm bzw. bei EAN 8 26.73 x 21.64 mm groß. Wichtig: Die Breite bezieht sich dabei nicht nur auf den Stichcode, sondern umfasst auch die zwei Ruhezonen, also minimal freizuhaltende Bereiche vor und nach dem letzten Strich. In der Standardgröße sind das bei EAN 13 links 3,63 mm und rechts 2,31 mm, bei EAN 8 auf beiden Seiten 2,31 mm.

Die Höhe von EAN Codes kann in gewissen Grenzen reduziert werden, wobei eine Höhe von 50% der EAN Breite niemals unterschritten werden sollte. Ein EAN 13 Code im Standardformat sollte also mindestens 37,29 : 2, also 18,65 mm hoch sein.

Um flexibleren Gestaltungswünschen gerecht zu werden, können die EAN Codes verkleinert oder vergrößert dargestellt werden, wobei das minimale Format 80% der normalen Größe und die maximale Vergrößerung 200% der normalen Größe entspricht.

Früher waren SC0 bis SC9 genannte definierte Vergrößerungen und Verkleinerungen für EAN 13 bzw. EAN 8 zulässig, die auch häufig heute noch als Vorgaben an Grafiker kommuniziert werden. Als Richtwert haben wir Ihnen die folgende Tabelle zusammengestellt, wobei die Vergrößerungen und Verkleinerungen nur als Richtwert zu betrachten sind. Zwischen 81,8% und fast 84% finden Sie im Internet für die Größe SC0 Faktorvorgaben, die Zahlen sind also nicht absolut zu sehen, sondern eher als Orientierung.

SC0 bis SC9: Vergrößerungsfaktoren für EAN Codes:

SC-Größe / Vergößerungsfaktor / Feldmaße B X H EAN 13 / Feldmaße B X H EAN 8
SC0 / 82 % /  30,58 x 21,53 mm / 21,92 x 17,74 mm
SC1 / 91 % /  33,93 x 23,90 mm  / 24,32 x 19,69 mm
SC2 / 100 % /  37,29 x 26,26 mm / 26,73 x 21,64 mm
SC3 / 110 % /  41,02 x 28,88 mm / 29,40 x 23,80 mm
SC4 / 121 % / 45,12 x 31,78 mm / 32,34 x 26,19 mm
SC5 / 136 % /  50,71 x 35,17 mm / 36,35 x 29,43 mm
SC6 / 152 % / 56,68 x 39,91 mm / 40,63 x 32,89 mm
SC7 / 167 % / 62,27 x 43,85 mm / 44,64 x 36,14 mm
SC8 / 182% / 67,87 x 47,79 mm / 48,65 x 39,38 mm
SC9 / 197% / 73,46 x 51,73 mm / 52,66 x 42,63 mm

Bereits seit langem sind die Vergrößerungsfaktoren abgeschafft, und Barcodes zwischen 80% und 200% sind in jeder Vergrößerungs-und Verkleinerungsstufe zulässig. Und auch die Ruhezonen sind seit 2010 flexibler geregelt: Ein Toleranzbereich von 0,8 Modulbreiten, also bei EAN-8 von rund 11,5% der Ruhezone ist zulässig (links 1,0 Modulbreiten bei EAN 13), wobei generell empfohlen wird, die Ruhezone um mindestens eine Modulbreite breiter zu machen als gefordert. Bereits leichte Passerversätze oder Ungenauigkeiten bei der Stanzung im finalen Druck können sonst leicht eine erfolgreiche Prüfung unmöglich machen.

In der Praxis zeigt sich aber auch ein weiteres Problem: Da EAN Prüfgeräte und die dazugehörige Software teuer sind, verfügen viele Firmen nur über eine Prüfhardware und -software, die bereits weit über 10 Jahre alt ist. Das führt dazu, daß z.B. die aktuellen Toleranzen der Ruhezonen nicht in der Software hinterlegt sind. In einem Fall hatte das z.B. zum Ergebnis, daß die Vorprüfung im herstellenden Unternehmen mit einer veralteten Software aus Anfang 2000 den Code wegen zu geringer Ruhezonen als ungültig kennzeichnete, während er bei ALDI, die bereits mit moderner Software ausgestattet sind, aufgrund der bis 8,5% höheren Toleranzen seit 2010  problemlos mit Bestnoten bestanden hätte.

Zulässige Farbkombinationen

Auch die Farbigkeit der Striche und des Hintergrundes sind vorgegeben. Da der EAN zumeist mit einem roten Laser abgetastet wird, ist es wichtig, daß die Balken des EAN Codes rotes Laser-Licht zwischen 633 und 670 nm nur in geringem Maße reflektiert, während das Papier bzw. das Hintergrundmaterial, der Zeichenträger das Laserlicht ausreichend reflektieren muss. Die wichtigsten zulässigen Farbkombinationen sind daher:

  • Hintergrundfarben: weiß, gelb, rot, magenta
  • Balkenfarben: schwarz, blau, grün, braun, cyan

Nicht alle Kombinationsmöglichkeiten sind angeführt, wichtig ist aber: Balken tragen alle mindestens Cyan, Hintergründe niemals. Eine Inversdarstellung ist nicht erlaubt. Eine Hintergrundfarbe darf niemals als Balkenfarbe und eine Balkenfarbe niemals als Hintergrundfarbe verwendet werden.

Prüfung von EAN Codes

Eine optimale Lesbarkeit von Strichcodes ist ein entscheidender Faktor für Erkennbarkeit durch Barcodescanner. Schlechte Druckqualität, Lücken und Flecken, nicht ausreichende Hellfelder oder ein falscher Vergrößerungsfaktor sind häufig Gründe für Lesefehler. Und Lesefehler führend zu Behinderungen von automatisierten Prozessen und und bedeutet Kosten durch manuellen Eingriff, z.B. durch das Eintippen des nicht lesbaren EAN Codes.

Alle namhaften Unternehmen wie ALDI, Lidl, Hofer, Penny, Tschibo und viele mehr bestehen daher auf einer Prüfung des Codes vor Herstellung des Produktes. Die EAN Codes werden auf speziellen Messgeräten vermessen und mit Schulnoten bewertet. Die Kriterien dabei sind:

  • Kantenkontrast
  • Symbolkontrast
  • Modulation
  • Rmin / Rmax
  • Defekt
  • Dekodierbarkeit

Dabei werden Noten von A bis F, entsprechend den Schulnoten 1 bis 6 vergeben. Während ALDI z.B. mindestens ein B, also eine Schulnote 2 in allen Disziplinen einfordert, sind andere Unternehmen teilweise kulanter. Eine Scannerkasse würde auch noch EAN Codes mit Schulnote 5 lesen können, aber  bei der Prüfung der EAN Codes steht ja im Vordergrund, daß die Codes so gut und optimal wie möglich lesbar sind, auch bei schnellem oder schrägem Ziehen über den Scanner an der Kasse. Aber auch eine gekappte Höhe, fehlende Ruhezonen oder transparente oder spiegelnde Untergründe sind Kriterien für eine Abwertung bzw. einen Ausschluss.

Proof von EAN Codes

Beim Proof von EAN Codes tritt häufig das Problem auf, daß die Prüfung der EAN Codes häufig zu schlechteren Ergebnissen führt als beim z.B. im Offsetdruck gedruckten Endprodukt. Schuld daran sind die Proofsoftwarehersteller, die ihr Augenmerk nur auf die Farbigkeit des Proofs, nicht aber auf die Linienpräzision der Proofsoftware legten. Hauttöne und bunte Farben waren für die Softwarehersteller viel interessanter als die korrekte Darstellung von schwarzen Linien auf weissem Grund. ALDI zum Beispiel fordert aber heutzutage zur Freigabe eines Produktes Proofs ein, die nicht nur in der Farbigkeit dem finalen Produkt entsprechen, sondern auch in der Dekodierbarkeit des EAN Codes.

Die Proofs aller gängigen Proofsysteme scheitern hier. Warum? Die Bruchteile eines Millimeters dünnen Linien haben auf Proofs zumeist einen beträchtlichen Breitenzuwachs von bis zu über 40%, während die Weissräume durch die dicken schwarzen Linien stark eingeengt werden. Die Folge: Normale Proofs bestehen die geforderten strengen Kriterien von ALDI, Lidl und Hofer nicht.

Proof.de hat gemeinsam mit einem Prüfgerätehersteller eine Lösung entwickelt, wie prüffähige EAN Codes nach den strengen ALDI-Richtlinien auf einem farbverbindlichen und rechtsverbindlichen Proof erzeugt werden können. Das erfordert zwar einigen Aufwand, aber das Ergebnis sind Proofs, die nicht nur nach ISO 12647-7 farbverbindlich sind, sondern auch die strengen Prüfregeln für EAN Codes mindestens mit Note B bestehen. Die Regel sind in den zu bewertenden Disziplinen fünfmal die Bestnote A, also 1, und einmal die Note B, also Schulnote 2.

Wenn Sie solche Proofs benötigen oder Fragen haben, dann sprechen Sie uns bitte an.

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3 Gedanken zu „EAN / GTIN Codes erstellen: Tipps für Grafiker

  1. Pingback: Kann man EAN/GTIN Barcodes prüfbar und farbrichtig proofen? | proof.de - Proof KnowHow rund um Proof, Farbproof, Digitalproof und Online Proof

  2. Hallo Herr Benz,
    Sie erwähnen, dass seit 2010 eine größere Toleranz bei der Messung der Ruhezonen existiert.
    in welcher ISO-Version wurde die Toleranz der Hellfleldzone neu geregelt? Wir finden in den uns vorliegenden Dokumentationen keinerlei Hinweise hierauf.
    Vielen Dank für eine Rückmeldung

    mfg

    Mathias Baier

    • Hallo Herr Baier,

      Franz Verweyen von REA Verifier in Mühltal wies mich darauf hin, der Hersteller des Verifiers und der Transwin Software, die die GTIN Codes auswerten kann.

      Konkret schrieb er mir vor ca. einem Jahr:
      „Die Bewertung der Einhaltung der mind. Ruhezonen von 7 x X-Modulgröße links und rechts von den Balken des Codes wird nach neuester Auslegung mit einer Toleranzzone von 0,8 x Modulgröße X vorgenommen.“

      Das sagt die GS1-Allgemeine Spezifikation in der aktuellen Version vom 3. August 2013, downloadbar unter http://www.gs1.ch/docs/default-source/gs1-system-document/genspecs/genspec-alle-kapitel.pdf?sfvrsn=10

      Unter 5.2.1.4.4. Ruhezonen (Hellzonen) steht:
      Die Mindestbreite einer Hellzone beträgt in der EAN/UPC Symbologie für das Hauptsymbol 7X. Für die verschiedenen Strichcodetypen sind, je nach Größe und Platzierung der Klarschriftzeile, unterschiedliche Breiten der Hellzonen definiert und im folgenden beschrieben (Abbildung 5.2.1.4.3 – 1):
      Für EAN 8: 7 Module oder 2,31 mm links und rechts bei einer Modulbreite von 0,330 mm.

      Laut diesem Absatz wären also die Modulbreiten jeweils links und rechts 7 Module breit. Aber:

      Auf Seite 316 finden Sie unter 5.5.3.3.10.2 den folgenden Hinweis:

      Zusätzliches Kriterium zur EAN/UPC Symbolklassifizierung
      Die Norm ISO/IEC 15416 berücksichtigt ein zusätzliches Kriterium zur Symbolklassifizierung gemäß Symbologiespezifikation. Für die EAN/UPC Symbologie sind die minimalen Hellzonen in Kapitel 5.2.1.4.4 definiert. Jedes einzelne Scanprofil, das diese Anforderung unter Berücksichtigung folgender Toleranzen nicht erfüllt, muss die Qualitätsklasse „0“ erhalten.

      EAN-8: 6,2 Modulbreiten links, 6,2 Modulbreiten rechts !!!!

      Symbole unter der minimalen X-Dimension gemäß Abbildung 5.2.3.7 – 1 müssen die Qualitätsklasse „0“ erhalten (siehe 5.5.3.4.3 für Ausnahmen). Anmerkung: Die Auswahl der minimalen Hellzonen basiert auf den ursprünglichen U.P.C. Qualitätsempfehlungen, als EAN-13 und EAN-8 noch nicht existierten. Minimale Hellzonen für diese Symbole wurden davon abgeleitet.

      Seit 2010 müsste laut Herrn Verwegen diese Regelung aktiv sein: 6,2 Modulbreiten links und rechts als Toleranz für die Messung. Im Zweifel laden Sie sich einfach das inzwischen 499-seitige Dokument der GS1 und lesen die Absätze selbst nach. Leider konnte ich aufgrund von schlechter Tabellenformatierung im Kommentarfeld die kompletten Tabellen der GSI hier nicht einkopieren.

      Ich hoffe, ich konnte Ihnen hier weiterhelfen. Viele Grüße

      Matthias Betz

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