Abschlussprüfung Mediengestalter 2013: Probleme beim Proof von CMYK plus HKS 37 K

Deutschlandweit absolvieren die Auszubildenden zum Mediengestalter/in Digital und Print ihre Abschlussprüfungen im Bereich Print. Die Aufgabenstellung sieht in diesem Jahr eine Bildretusche eines CMYK Bildes vor, bei dem die Farbe der Bluse von weiss auf HKS 37 K verändert werden soll. An sich eine gute Aufgabenstellung, die die zukünftigen Mediengestalterinnen und Mediengestalter vor eine lösbare und gute Aufgabe stellt.

Seit 2010 müssen die Abschlussprüfungen zusammen mit dem Fogra Medienkeil 2.0 entweder als farbverbindlicher Proof eingereicht werden, oder der Prüfling soll sich laut ZFA Medien (Zentral-Fachausschuss Druck und Medien) „vor der Ausgabe seiner Prüfungsarbeit von der korrekten gerätespezifischen Kalibrierung des Ausgabegerätes überzeugen“, was kaum ein Prüfling realistisch leisten kann. Und so landen jedes Jahr die Abschlussarbeiten der Auszubildenden Mediengestalter bei Reprostudios und Proof-Dienstleistern und werden dort professionell geprooft.

Der Wortlaut der ZFA Anforderungen an die Proofs für Abschlussprüfungen finden Sie hier.

In diesem Jahr jedoch sind bei der Abschlussprüfung der Mediengestalter erstmals nicht Daten in CMYK, sondern als fünffarbige Daten in CMYK plus HKS 37 K gefordert. Dabei besonders kritisch: HKS 37 K soll als Stofffarbe in ein CMYK Bild integriert werden und eine weisse Bluse in HKS 37 umfärben. Weiterlesen

Kann man Sonderfarben proofen?

Da viele Drucksachen Sonderfarben wie Pantone oder HKS enthalten, stellt sich häufig die Frage, ob diese Farben überhaupt geprooft werden können. Die Antwort lautet „nein“. Es ist lediglich eine annähernde Simulation dieser Farben möglich.
Der Grund: Jede Sonderfarbe ist eine eigens angemischte, „echte“ Farbe und wird daher nicht aus den 4 Druckfarben (Cyan, Magenta, Yellow und Black) zu mischen sein.

Moderne Proofgeräte verfügen heute über bis zu 12 unterschiedliche Druckfarben, und haben neben den klassichen Primärfarben auch z.B. Orange und Grün als echte Farben im Gerät. Proofdrucker wie z.B. der Epson 7900 oder 9900 sind daher in der Lage, deutlich größere Farbräume als beispielsweise ISOCoatedV2 darzustellen. Die Sonderfarbsimulation in diesen Geräten ist daher bei der Ansteuerung über einen Contone Treiber, der auf den gesamten Farbraum des Proofdruckers zugreifen kann, teilweise sehr gut. Epson selbst spricht beispielsweise davon, daß „98% aller Pantone Farben“ wiedergegen werden können. Das darf zwar stark angezweifelt werden, aber eine Zahl von über 80% aller Pantone Farben ist aus unserer Sicht durchaus realistisch.

Früher wurden Pantone und HKS Farben von den Proofsystemen einfach nach CMYK umgewandelt und dann im Standard-Farbraum, also zumeist ISOCoatedV2 simuliert. Die Darstellung der Farben ist hier zumeist völlig unzureichend. Für die Wiedergabe von Pantone und HKS Farben in einem Proof ist es daher immens wichtig, einen modernen Proofdrucker mit vielen Farben und einem hohen Farbraum zu haben und eine moderne Proofsoftware, die auch in der Lage ist, den Farbraum präzise anzusteuern.

Unterschiede in der Qualität der Simulation von Sonderfarben sieht man den unterschiedlichen Drucksystemen schnell an: Druckt der Proofdienstleister mit einem älteren 6-Farben oder 8-Farben System (Cyan, Light Cyan, Magenta, Light Magenta, Yellow und Black bzw. Light-Black), werden Sonderfarben schlechter simuliert als z.B. mit einem modernen 11-farbigen System mit Cyan, Light Cyan, Orange, Yellow, Magenta, Light Magenta, Photo Black, Matte Black, Light Black, Light light Black und Grün.

Die höhere Simulationsqualität der Sonderfarben wird dadurch erzeugt, dass etwa Orange bereits als eigene Farbe vorhanden ist und nicht schon vor der Sonderfarbsimulation aus Magenta und Yellow gemischt werden muss.

Dabei muss natürlich gesagt werden, daß insbesondere im Bereich von Metallic oder Leuchtfarben Grenzen gesetzt sind; diese Farbtöne sind derzeit im Proof nicht reproduzierbar.

Kritisch ist auch die Vollton-Simulation von Abstufungen

In den Proofsysteme sind überwiegend nur die 100% Werte einer Pantone- oder HKS Farbe hinterlegt. Soll also z.B. ein Schrift-Logo mit 100% Farbauftrag einer Pantone-Farbe simuliert werden, ist das präzise und wird in den meisten Proof-Systemen gut dargestellt.

Schwieriger wird es aber schon, wenn das Logo neben 100% Flächen auch eine 30% Pantone Farbfläche enthält, da diese nicht im Proofsystem definiert ist, sondern vom Proofsystem simuliert wird. Dabei sind teilweise erhebliche Abweichungen von z.B. von HKS Rasterfächern festzustellen.

Noch schwieriger wird es, wenn z.B. auf einer 100% HKS Fläche ein Graustufen TIFF liegt und überdruckt. Für den grafischen Profi ist sofort nachvollziehbar, daß die HKS Fläche durch ein überdruckendes 30% Schwarz einfach an dieser Stelle dementsprechend dunkler werden muss. Die Proofsoftware muss diesen Effekt allerdings korrekt erkennen, korrekt berechnen und dann auch noch mit den vom Proofdrucker zur Verfügung stehenden 11 Farben korrekt simulieren. Daß hierbei unzählige Fehler entstehen können, ist schnell nachvollziehbar. Und die Königsdisziplin: 7-farbige Pantone-Dateien mit jeder Menge überlagernden und überdruckenden Pantone-Farben oder HKS-Farben mit überdruckenden CMYK-Elementen kann selbst von modernsten Proofsystemen bestenfalls gut geraten werden, aber keinesfalls farbverbindlich simuliert werden.

Die schlechte Nachricht ist also: Ein Proof mit Sonderfarben ist daher nach heutigem Stand der Technik niemals farbverbindlich und fällt je nach Proofsystem äußerst unterschiedlich aus.

Die gute Nachricht ist aber auch: Sonderfarben, insbesondere im Vollton, können heute von modernen Proofsystemen sehr gut simuliert werden. Ein modernes Proofsystem bietet daher auch die Möglichkeit, zu einem Bruchteil der Kosten eines Andrucks einen realistischen Eindruck von Sonderfarb-Drucken zu bekommen.

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